DPRG ZukunftsForum 2016: Treiben oder treiben lassen – das ist hier die Frage

Der Hashtag #zukufo war zwei Tage lang Trending Topic auf Twitter I Foto: Lena SchneiderDer Hashtag #zukufo war zwei Tage lang Trending Topic auf Twitter I Foto: Lena Schneider

Männer ohne Krawatten. Vorträge bei offenen Türen. „Du“ statt „Sie“. „Ich erkenne die gute alte Dame der DPRG kaum wieder“, freute sich Thomas Zimmerling, Mitglied des DPRG-Bundesvorstands am Ende des ZukunftsForums in Gelsenkirchen. Der älteste Berufsverband für Kommunikation widmete sich am 9. und 10. Juni der wichtigsten Entwicklung unserer Zeit: der Digitalisierung. Was nehmen wir mit?

Schlussworte zum DPRG ZukunftsForum 2016 | Quelle: Twitter, @aklempert

Die DPRG wagte sich im zweiten Jahr des ZukunftsForums an ein neues Format: das BarCamp. Eine offene Tagung, deren Themen und Ablauf von den Teilnehmern erst vor Ort festgelegt werden. Mit der Weiterentwicklung des Formats möchte sich der Berufsverband stärker als Diskussionsplattform positionieren und den Weg vom Verband zum Netzwerk beschreiten, erklärte Zimmerling im Vorfeld des Forums.

Sind wir Treiber oder Getriebene der Digitalisierung?

Eine Frage, fünf spannende Sessions, unzählige Impulse. Und die Antwort? Für Philipp Schindera, Leiter Unternehmenskommunikation der Deutschen Telekom AG, ist die Kommunikation eindeutig Treiber der aktuellen Entwicklungen: „Sie muss andere dazu anspornen, Neues auszuprobieren“. An diesen Anspruch hält sich der Kommunikationschef selbst – erst einen Tag zuvor ließ er sich von seinen Mitarbeitern Snapchat erklären.

Aber Treiben bedeutet auch Loslassen. Das steht für Alexander Wilke, Leiter Unternehmenskommunikation bei thyssenkrupp fest: „In der heutigen Zeit ist Kontrolle vorbei. Wir müssen akzeptieren, dass jeder Mitarbeiter ein wichtiger Kommunikator ist. Das geht nur mit einem veränderten Mindset“. Digitalisierung ist also vor allem eine kulturelle Frage. Doch wenn die Kommunikation die Kommunikationshoheit verliert, verspielt sie dann nicht auch ihre Steuerungsmöglichkeiten?

Für Schindera und Wilke ist das kein Thema. Der Kommunikator gibt nach wie vor die Richtung vor, schafft Orientierung und nimmt eine animierende, moderierende und kuratierende Rolle ein. Rollenbilder, die laut Thomas Mickeleit auch Microsoft Deutschland für seine Kommunikatoren identifiziert hat. Hier heißen sie „Content Governor“, „Enabler“, „Engager“ und „Trusted Advisor“.

 Auf dem Weg zu einer authentischen, digitalen Kommunikation

Andreas Winiarski von Hering Schuppener stellt die Community an erste Stelle I Foto: Lena Schneider

„Vergesst die Stakeholder, es lebe die Community“, forderte Andreas Winiarski, Managing Partner und Leiter digitale Unternehmenskommunikation und Transformation bei Hering Schuppener. Sein Credo: Die Kommunikation muss mit authentischen Geschichten Kopf und Herz der Menschen erreichen und zwar dort, wo sie sich aufhalten – also in erster Linie in sozialen Netzwerken wie Facebook und Co. Damit dies gelingt, braucht es laut Winiarski vor allem eins: Mut. Mut, auch mit negativem Feedback und Kritik umzugehen und sich als Unternehmen stärker nach außen zu öffnen. Dabei kann sich die Kommunikation auf eine ureigene Kompetenz verlassen, die auch Microsoft-Mann Thomas Mickeleit bekräftigte: ihre Fähigkeit, Geschichten zu erzählen.

„Alle Thesen über die Zukunft der Medien sind falsch“

Gilt diese steile These aus der Keynote von ZEIT ONLINE-Chefredakteur Jochen Wegener auch für die Thesen zur Zukunft der Unternehmenskommunikation? An interessanten Thesen zu neuen Anforderungen, Aufgaben und Rollen der Kommunikation mangelte es in Gelsenkirchen jedenfalls nicht. Ob sie nun falsch oder richtig sind, muss sich noch zeigen. Für Kommunikatoren heißt es jetzt aber vor allem: Nicht nur diskutieren, sondern machen! Ausprobieren. Den aktuellen Wandel aktiv mitgestalten. Treiben statt treiben lassen!

Kommentar abgeben

* Bitte Zeichen eingeben