Management-Tools in der Unternehmenskommunikation: Studie von Universität Leipzig und Lautenbach Sass identifiziert Handlungsbedarf

Durch die steigende Komplexität und Aufgabenvielfalt der Unternehmenskommunikation wird der Einsatz standardisierter Management-Tools für Kernprozesse wie Planung, Umsetzung und Analyse der Kommunikation unverzichtbar. Neun von zehn befragten Kommunikationschefs bestätigen dies in einer aktuellen Studie und fügen hinzu, dass Tools ein Teil des Wissens und Könnens von Kommunikatoren sein sollten. Bislang ist die praktische Nutzung von einheitlich dokumentierten Methoden wie Zieleradar, Themenpyramiden, Persona-Analysen und Szenariotechniken allerdings nur schwach. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der Universität Leipzig und der Unternehmensberatung Lautenbach Sass. In der weltweit ersten Studie zum Thema wurden insgesamt 383 Kommunikatoren in Leitungsfunktion befragt.

Management-Tools in der UK - die Klassiker

Selbst Kommunikatoren in Managementpositionen und mit Strategie- und Steuerungsverantwortung haben nur begrenztes Anwendungswissen. Zudem ist das Verständnis, was Management-Tools genau sind, bislang eher diffus. Zum Einsatz kommen vor allem operative Methoden für die Planung und Umsetzung der Kommunikation. Die Rangfolge der am häufigsten eingesetzten Tools führen Themen- und Redaktionspläne (94,4%) und die Medienresonanzanalyse (92,8%) an. Kommunikationsmanagement-Tools mit der geringsten Bekanntheit sind die Touchpoint-Analyse (28%), Scrum (26,4%) sowie Flussdiagramme und Swim Lanes (20,8%). Methoden aus dem strategischen Management oder dem Marketing sind insgesamt wenig verbreitet. „Das ist überraschend: Seit vielen Jahren wird der Anspruch erhoben, Unternehmenskommunikation sei eine Managementfunktion – sie wird aber bisher nicht so gesteuert“, kommentiert Professor Ansgar Zerfaß vom Lehrstuhl für Strategische Kommunikation an der Universität Leipzig und Mitautor der Studie. „Der Nachholbedarf ist deutlich. Die Chance zur besseren Steuerung und qualitativen Weiterentwicklung der Unternehmenskommunikation sowie auch zur internen Positionierung gegenüber dem Top-Management wird bislang vertan“, ergänzt Christoph Lautenbach von der Frankfurter Unternehmensberatung für Kommunikation Lautenbach Sass.

Bislang werden Tools nur in einer Minderheit der Kommunikationsabteilungen systematisch dokumentiert und laut Auskunft der Befragten verfügen die meisten Mitarbeiter nicht über eine entsprechende Methodenkompetenz. Nur ein Viertel hat sie in Studium oder Weiterbildungen ausführlich kennengelernt. Die Schlussfolgerung der Autoren: Management-Tools sind zukünftig in der Aus- und Weiterbildung von Kommunikatoren stärker zu vermitteln.

Management-Tools in der UK - die Unbekannten

Die Zufriedenheit ist bei komplexeren und weniger häufig genutzten Tools oft höher als bei den stärker verbreiteten, meist operativen Standardverfahren, wie eine Gegenüberstellung von Zufriedenheit und Einsatz zeigt. Bei Analyse-Tools ist die Zufriedenheit mit der Communication-Touchpoint-Analyse am höchsten (73%) – doch nur wenige setzen sie ein (37,6%). Bemerkenswert ist, dass Stakeholder-Maps in drei von vier Kommunikationsabteilungen eingesetzt werden, von denen aber deutlich weniger (57,7%) mit der praktischen Anwendung zufrieden sind. Mit Analyse-Tools sind die befragten Kommunikatoren insgesamt am wenigsten zufrieden.

Management-Tools in der UK - die Beliebten

Auch bei den Tools zur Kommunikationsplanung gibt es mit dem Zielehaus der Kommunikation eine Methode, die bei den Anwendern auf recht positive Resonanz stößt (74,1%), aber vergleichsweise selten (52,8%) im Einsatz ist. Mit Leitbild-Entwicklung (77,1%) und Themenplanung (76,2%) führen zwei bekannte Tools das Zufriedenheitsranking bei den Planungs-Tools an. Für die Umsetzungsphase des Kommunikationsmanagements kristallisieren sich vier Management-Tools heraus, die sich bei Einsatz (mehr als 80%) und Zufriedenheit (mehr als 75%) deutlich von allen anderen abgefragten Tools abheben: Communication Briefings, Kommunikations-Checklisten, Redaktionspläne und Maßnahmenportfolios. Bei den Evaluations-Tools verbuchen Reputationsanalysen die höchste Zufriedenheit (75,3%), gefolgt von Medienresonanzanalysen (71,2%), Markenbewertungen (70,9%) und Communication Dashboards (70,8%). Bei der Nutzung zeigt sich dagegen ein anderes Bild: Medienresonanzanalysen (92,8%) und Communication Reports
(80,8%) liegen vorn.

Zwar wurde von den meisten Kommunikatoren bereits ein breites Repertoire eingesetzt – das aber eher situativ und oft durch Berater und Agenturen getrieben; eine systematische Steuerung mit Management-Tools, die in Unternehmensfunktionen wie Strategie, Controlling und Auditierung schon lange etabliert sind, findet nicht statt. Tools sind zumeist auch nicht dokumentiert und auf die eigene Praxis zugeschnitten (beispielsweise in einer Toolbox). Wenn Kommunikationsabteilungen Management-Tools einsetzen, dann oft nachdem eine Unternehmensberatung wie McKinsey & Co. zu Besuch war. Tendenziell nutzen größere Unternehmen mehr Tools als kleinere. Und: Je mehr Berufserfahrung ein Kommunikationschef hat und je regelmäßiger er an Managementtrainings und Fortbildungen teilnimmt, desto größer ist auch die Wahrscheinlichkeit, dass er mit seinen Kollegen Management-Tools einsetzt.

Das Autorenteam von Universität Leipzig und Lautenbach Sass schließt seine Studie mit einer Empfehlung an die Unternehmenskommunikation ab: „Unser Rat: Eine auf die eigenen Bedürfnisse zugeschnittene Toolbox zusammenstellen – dafür stehen etablierte Methoden bereit, die einfach anzuwenden und oft auch frei verfügbar sind.“

Studie zum Download

Der Ergebnisbericht der Studie „Management-Tools für die Unternehmenskommunikation – Bedeutung, Nutzung und Erfahrungen“ ist frei verfügbar unter:
http://bit.ly/tools-uk
http://bit.ly/tools-cc
oder hier zum Download.

Hintergrund zur Studie

Den Einsatz von Management-Tools in der Praxis der Unternehmenskommunikation haben Universität Leipzig und die Unternehmensberatung Lautenbach Sass über eine Onlinebefragung untersucht. Management-Tools sind standardisierte Denkwerkzeuge, Methoden und Vorgehensweisen für die Analyse, Planung, Umsetzung und Evaluation wiederkehrender Aufgaben. Die weltweit erste Studie zum Thema hat die Deutsche Public Relations Gesellschaft e.V. (DPRG) unterstützt. Von April bis Juni 2018 wurde ein Elitesample von 383 Kommunikatoren in Leitungsfunktion oder mit Strategie-, Steuerungs- oder Controllingverantwortung in deutschen Großunternehmen befragt. Ausgewertet wurden 125 vollständig ausgefüllte Fragebögen; das entspricht einem Rücklauf von 32,6 Prozent. In dem 44 Seiten umfassenden Studienbericht mit Ergebnissen und Charts benennen die Autoren Ansgar Zerfaß, Sophia-Charlotte Volk, Christoph Lautenbach und Melanie Jakubowitz unter anderem 10 Erfolgsfaktoren für den praktischen Einsatz von Management-Tools in der Unternehmenskommunikation.

Lautenbach Sass fördert kommoguntia

kommo logo

Seit 1. August 2018 fördert Lautenbach Sass die studentische PR-Initiative kommoguntia e.V. Der Verein an der Universität Mainz sorgt für einen Austausch zwischen der Theorie des Studiums und der Praxis des Berufslebens zu schaffen und bereitet damit auf den späteren Einstieg in der Kommunikationsbranche vor. Der Kontakt zu Lautenbach Sass entstand über die Lehrtätigkeit von Christoph Lautenbach im Master Unternehmenskommunikation. „Der Kontakt zum Institut für Publizistik in Mainz besteht schon seit vielen Jahren. Wir freuen uns, diesen durch die Förderschaft nun intensivieren zu können“, erklärt Christoph Lautenbach. Erste gemeinsame Projekte wird es im Wintersemester 2018/19 geben.

Link zu kommoguntia

Umfrage zu Management-Tools in der Unternehmenskommunikation

Die Kommunikationsbranche steht durch die digitale Transformation, stetigen Wandel und zunehmende Komplexität vor vielen Herausforderungen. McKinsey, BCG und andere Unternehmensberatungen setzen bei der Analyse des Wandels und der Entwicklung von Lösungen vielfach auf Management-Tools, die bei Vorständen und Geschäftsführung anerkannt sind.

Doch welche Rolle spielen Management-Tools im Kommunikationsbereich? Was sind die bekanntesten Vorgehensweisen, Planungsmethoden und Strategie-Werkzeuge? Wie werden sie genutzt, wie zufrieden sind Sie damit?

Das möchten wir Ende Juni 2018 beim DPRG-Zukunftsforum in Hamburg diskutieren. Und dafür ist Ihre Meinung gefragt – bitte nehmen Sie sich 10 Minuten Zeit und beteiligen Sie sich an der bislang ersten Studie zum Thema “Management-Tools im Kommunikationsbereich.”

Uns interessieren Ihre persönlichen Erfahrungen und Einschätzungen – auch wenn Sie sich noch nicht intensiv mit dem Thema befasst haben. Erste Ergebnisse der Kurzstudie werden beim DPRG-Zukunftsforum vorgestellt. Den umfassenden Ergebnisbericht erhalten Sie im Herbst 2018.

Organisiert wird die Studie von der Universität Leipzig gemeinsam mit LAUTENBACH SASS und der DPRG Deutsche Public Relations Gesellschaft e.V.

Hier geht’s zur Studie

Dr. Felix Krebber zum Professor für Unternehmenskommunikation ernannt

Logo Hochschule Pforzheim

Dr. Felix Krebber wechselt an die Hochschule. Am 1. März 2018 hat er seinen Dienst als Professor für Unternehmenskommunikation in Pforzheim angetreten. Zuvor war er als Berater für LAUTENBACH SASS tätig und hat in dieser Zeit Projekte in den Kompetenzfeldern Strategieanbindung und Organisation von Kommunikation für Blue Chip Companies erfolgreich vorangetrieben. Felix Krebber bleibt LAUTENBACH SASS weiterhin verbunden, gemeinsame Forschungs- und Praxisprojekte sind geplant.

Zur Hochschule Pforzheim

Keynote "Hater, Faker, Wutbürger: Wird Akzeptanz zur Fiktion?" zum Jahresauftakttreffen der DPRG

Akzeptanz Vortrag von Felix Krebber

Erstmal fand am 26. Januar 2018 der “DPRG Takeoff 2018” statt. Die Deutsche Public Relations Gesellschaft e.V. (DPRG) hatte ihre thematischen Arbeitskreise erstmals eingeladen, um das verbindende Thema “Akzeptanzkommunikation” zu diskutieren. Eine der Keynotes des Tages hielt Dr. Felix Krebber von LAUTENBACH SASS.

Seine Keynote thematisierte die zunehmenden Schwierigkeiten von Unternehmen und Organisationen, Akzeptanz für ihr Handeln zu finden. Titel: “Hater, Faker, Wutbürger: Wird Akzeptanz zur Fiktion?” Felix Krebber ist Mitherausgeber des Buches “Akzeptanz in der Medien- und Protestgesellschaft” und beschäftigt sich mit dem Phänomen unter akzeptanzblogger.de.

In seiner Dissertation hat er gezeigt, wie die von ihm so bezeichnete “inputorientierte Organisationskommunikation” das gestiegene Bedürfnis nach Beteiligung berücksichtigen kann. Hintergrund waren seinerzeit Infrastrukturprojekte – allerdings werde Akzeptanz „zunehmend zum übergreifenden Thema der Organisationskommunikation, weit über Infrastrukturprojekte hinaus“, so Krebber.

Mehr dazu im Blog von LAUTENBACH SASS

Zum Veranstaltungsbericht im DPRG journal

Bericht der Agentur Kaltwasser